Presseinformation
Presseinformation Nr. 120 vom 08. September 2010
"Wie ein Sechser im Lotto" - Göttinger Student als Lebensretter
Jura-Student Kai Arne Wendenburg spendet Blutstammzellen für Leukämie-Patienten. Typisierungsaktion "Studenten retten Leben" bringt Spender hervor.


(umg) Kai Arne Wendenburg freut sich über seinen "Lottogewinn". Er kann als "Lebens-Spender" Blutstammzellen für einen Patienten aus Deutschland spenden, der an Leukämie erkrankt ist. Der Jurastudent im neunten Semester hatte sich bei der Aktion "Studenten retten Leben" im Dezember 2009 für die Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG) registrieren lassen. Kai Arne Wendenburg ist der passende Spender für einen Patienten, der auf eine lebensrettende Blutstammzellspende wartet.
"Bei der Blutstammzellspende kommt es nicht auf die Blutgruppe des Spenders an. Die erhält der Patient immer vom Spender", sagt Dr. Hans Neumeyer, ärztlicher Leiter der Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG). "Es kommt auf die Gewebegruppen HLA an. Diese Antigene sind von Mensch zu Mensch so verschieden, dass es einem Lottogewinn gleich kommt, wenn ein ‚genetischer Zwilling‛ für einen Patienten gefunden werden kann." (HLA, engl. für Human Leukocyte Antigen).
Kai Arne Wendenburg wurde auf die Blutstammzellspende mit umfangreichen medizinischen Untersuchungen vorbereitet. "Die Ultraschalluntersuchung und das EKG von Herrn Wendenburg zeigten gute Ergebnisse. Der Spender befindet sich in einem guten körperlichen Zustand. Es gibt somit keine Bedenken für die Blutstammzellspende", sagt Priv.-Doz. Dr. Joachim Riggert, kommissarischer Direktor der Abteilung Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Göttingen.
Als unmittelbare Vorbereitung auf die Spende hat sich der 24-jährige Student drei Tage lang jeweils morgens und abends ein Medikament per Spritze verabreicht. Das gespritzte Präparat regt eine sehr starke Neubildung von Blutstammzellen an. So werden genug Blutstammzellen in den Blutstrom ausgeschwemmt, dass sie mit einer Maschine ("Blutzellseparator") gesammelt werden können. "Als ich benachrichtigt wurde, dass ich als Spender in Frage komme, habe ich schon Zweifel bekommen. Ich wurde aber umfassend über den Ablauf der Spende aufgeklärt und bin jetzt sehr froh, helfen zu können. Ich hoffe, dass jeder, der in der Lage ist zu helfen, dasselbe auch für mich tun würde", sagt Kai Arne Wendenburg.
Auch der Empfänger der Blutstammzellen musste auf die Spende umfassend vorbereitet werden. Er wurde "konditioniert": Sein gesamtes krankes Knochenmark wurde zerstört. Die gespendeten Blutstammzellen von Kai Arne Wendenburg sind zukünftig die Grundlage für die Bildung eines neuen, gesunden Knochenmarks des Empfängers. Dieses soll die Entstehung neuer Blutzellen übernehmen. "Alle Merkmale, die wir untersuchen können, stimmen bei Spender und Empfänger 100-prozentig überein. Nach dem Eingriff wird sich zeigen, ob der Körper des Empfängers die neuen Blutstammzellen anerkennt oder nicht. Wir wünschen ihm dazu nur das Beste", so Dr. Hans Neumeyer.
Blutstammzellspende
Für eine Blutstammzellspende werden die "HLA-Gewebegruppen", die so genannten Human Leukocyte Antigens, von Spender und Empfänger verglichen. Die HLA-Moleküle sitzen auf allen kernhaltigen Zellen im Körper und funktionieren für das Immunsystem nach dem "Schlüssel-Schloss-Prinzip" zur Unterscheidung zwischen "selbst" und "nicht selbst". Mit den Blutstammzellen wird auch das Immunsystem (= die später neu gebildeten weißen Blutkörperchen) übertragen. Es muss ganz genau zum Empfänger passen, sonst würde es ihn als "fremd" erkennen, "abstoßen" und schwer schädigen. Je besser die Übereinstimmung der "HLA-Gewebegruppen" ist, desto besser ist die Heilungschance. Aus den übertragenen Blutstammzellen werden zukünftig alle Blutzellen des Patienten neu gebildet, auch die roten Blutkörperchen mit der (neuen) Blutgruppe des Spenders.
Für die Registrierung entstehen pro Spender 50 Euro Laborkosten
Zur Registrierung ist eine Gewebetypisierung erforderlich. Dieser Labortest kostet 50 Euro. Die Registrierungskosten werden in Deutschland ausschließlich über Spendengelder finanziert. Deshalb ist die KMSG auf Geldspenden angewiesen.
SPENDENKONTO DER KMSG
Uni-Kliniken Göttingen, Konto-Nr.: 448
Sparkasse Göttingen: BLZ: 260 500 01
Verwendungszweck: 134 6270 KMSG Spenden
KMSG: ZAHLEN UND DATEN
Die Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG) besteht seit 1992. Inzwischen sind über 22.000 Spenderinnen und Spender registriert. Bis heute konnten daraus bereits mehr als 130 wirkliche Stammzellspender bereitgestellt werden.
Weitere Informationen zur KMSG: http://www.kmsg.med.uni-goettingen.de
WEITERE INFOMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Transfusionsmedizin - Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG)
Ärztlicher Leiter der KMSG: Dr. Hans Neumeyer, Telefon 0551 / 39-6894
hans.neumeyer@med.uni-goettingen.de, kmsg@med.uni-goettingen.de
© Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0551-39-9959, presse.medizin@med.uni-goettingen.de
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